Vorbemerkung zu meinen Romanen

Seit 2012 veröffentliche ich Romane in unterschiedlichen Genres, und ich bekam immer wieder ähnliche Rückfragen zu den Hintergründen meiner Geschichten und meines Arbeitens. Bisher sagte ich dazu nicht viel, es war auch nicht erforderlich, aber das hat sich nun geändert: Ich bin in die Schweiz gezogen und wir (Armin Risi und ich) haben geheiratet.
Ich erzählte meinem Mann natürlich, wie meine Romane mit meinem Leben verbunden sind, vor allem mit meiner Nahtoderfahrung, als ich 27 Jahre alt war. Armin, der ebenfalls Schriftsteller ist, ermutigte mich: „Warum sagst du das deinen – und meinen – Leserinnen und Lesern nicht? Es wäre hilfreich, wenn sie das wüssten.“
Also habe ich es aufgeschrieben:

 

Meine Romane unterscheiden sich stilistisch sehr voneinander. Wenn man andere Autoren liest, kann man davon ausgehen, dass ihre Werke jeweils ähnlich gestrickt und aufgebaut sind. Meine hingegen entstehen aus den Figuren heraus, und darum sind sie voneinander oft so verschieden, dass der Eindruck entstehen könnte, sie stammten nicht von derselben Autorin. Auch innerhalb eines Romans wechselt der Stil mehrmals, je nachdem, aus welcher Perspektive ich während des Schreibens auf das Geschehen blicke. Wenn ich eine neue Geschichte niederzuschreiben beginne, die rein gar nichts mit dem Buch aus dem Vorjahr zu tun hat, verändert sich auch der ganze Stil.

Spätestens seit meiner »Einweihungserfahrung« Anfang 2017 (die in engem Zusammenhang mit meinem Nahtoderlebnis von 2011 steht) ist für mich klar: In unserer Welt ist nicht alles nur Licht, Liebe und Schönheit, auch wenn wir in diesen Qualitäten beheimatet und von ihnen getragen und gehalten sind. Es gibt gute Gründe, den Blick auch auf das Übel, die Dunkelheit und die Schatten zu richten.

Für manche Leserinnen und Leser mag es vielleicht überraschend sein, welche Inhalte sie in einigen Abschnitten meiner Romane vorfinden. Viele trauen mir nicht zu, dass ich dergestalt in »dunkle Tiefen« eintauche, und sind erstaunt oder gar irritiert.

Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Ich denke mir keine der Geschichten aus, die ich niederschreibe. Sie stammen nicht von mir oder sind vorher auf irgendeine Art und Weise entworfen. Sie sind fiktiv, aber nicht konstruiert.

Meine Romane beginnen zumeist mit dem ersten Satz. Dieser fällt mir jäh zu, oft im Halbschlaf, kurz vor dem Erwachen oder Einschlafen. Sobald ich ihn niedergeschrieben habe, beginnen vor meinem inneren Auge Bilder zu entstehen. Ich sehe Menschen, die etwas tun und sagen, erblicke Handlungsabläufe und Zusammenhänge. Im Anschluss wende ich mich erst einmal diesen Menschen zu und »beobachte« sie, versuche sie psychologisch zu ergründen: Was macht er dort? Warum macht er das? Wie kommt er zu so einer Handlung? Was geschah in seiner Vergangenheit? Weshalb diese Handbewegung / dieses Hinken / dieser spezielle Gesichtsausdruck / diese Narbe / diese Schwäche / diese Begabung etc.?

Es ist wichtig, dass ich die handelnden Menschen verstehe, die sich mir präsentieren. Oft schreibe ich deshalb ganze Handlungsabläufe nieder, ohne dass sie im Roman Aufnahme finden. Darin erklären mir die Protagonisten, warum sie bestimmte Eigenschaften haben, und je besser ich sie verstehe und in sie »hineinfinde«, desto authentischer wird das Endresultat. Denn ich sehe ja nur Bilder vor dem inneren Auge ablaufen und möchte im Anschluss so detailgetreu wie möglich wiedergeben, was ich sehe. Die Interpretation meinerseits darf nicht misslingen, zumindest ist das mein Bestreben.

Wenn ich nun also mit dem Schreiben des Romans beginne, fächern sich vor mir diese Abläufe auf. Es hat viel Überwindung und Übungszeit gekostet, nicht in diese Abläufe einzugreifen und die Geschichte nicht so zu lenken, wie ich mir das vorstelle oder für besser befinde. Gott weiß, wie oft ich vor so mancher Entwicklung zurückschrak und mich mitunter monatelang weigerte, weiterzuschreiben, nur weil sich mir offenbarte, wohin die Reise geht. Als ich beispielsweise erkannte, was in Band 2 der Fourfold-Saga, »Der Rote Drache«, geschehen wird, pausierte ich ein geschlagenes halbes Jahr lang und kämpfte innerlich mit mir, weil ich mich vor einer gewissen »Begegnung« fürchtete. Und oft passieren Brutalitäten, die mich bestürzen und die ich am liebsten ignorieren würde, die jedoch die Handlung und die Menschen prägen und den weiteren Verlauf der Geschichte bestimmen.

Bei jedem Roman habe ich die wunderbare Erfahrung gemacht, dass hinter allen Handlungsabläufen, die sich mir zeigten, ein tieferer Sinn lag – vorausgesetzt, ich pfuschte nicht dazwischen und fand den Mut, das Gesehene hinzuschreiben. Wie oft fragte ich mich, wie diese so verworrene Geschichte nur zu einem plausiblen und guten Ende finden soll, und war dann umso erstaunter und ergriffener, als sich ein paar Seiten später alles so stimmig fügte … so stimmig, wie ich es mir nie hätte ausdenken können!

Wie eingangs erwähnt, gibt es gute Gründe, den Blick auch auf das Übel, die Dunkelheit und die Schatten zu richten. Wenn keiner hingeht, um die verbarrikadierten Fenster aufzureißen, wie soll dann das Sonnenlicht ins Zimmer strömen?

Die meisten meiner Romanfiguren sind solche Krieger. Sie blicken nicht nur in die Finsternis, sie gehen mitunter direkt in sie hinein, stets in dem Bestreben, alle daraus zu befreien, die sich darin verirrt haben, und vor allem wollen sie denjenigen die Hand reichen, die die Finsternis erzeugen.

Im noch unveröffentlichten Band 4 der Fourfold-Saga tritt der Captn des Clans einem solchen »Dunkelwesen« gegenüber. Er streckt ihm die Hand hin und sagt: »Komm, Bruder, folge mir.« Als dieser sich weigert und abwendet, in der Absicht, seinen teuflischen Plan weiter auszuführen, ruft ihm der Captn nach: »Wir [der Fourfold-Clan] werden kämpfen, wir werden siegen, doch ich werde immer mit ausgestreckter Hand auf dich warten.«

Meine Romane sind sicherlich nicht für jeden Leser geeignet. Nicht jeder hat die Aufgabe, in die Dunkelheit zu blicken oder gar in sie hineinzugehen. Aber wer sich berufen fühlt und sich auf eine dieser Reisen begibt, trägt zusammen mit den Protagonisten zur kollektiven Durchlichtung der Finsternis bei.

Melanie Meier, August 2020

 


Chronologischer Überblick und Hintergrund-Informationen


Levi. Aus dem Leben eines Verrückten (
Erzählung)
Ausstehende Überarbeitung und neuer Titel in Kürze: Levi. Schattenbereich der Normalität

»Levi« entstand innerhalb von zwei Wochen und ein paar Monate nach meinem Nahtoderlebnis von Anfang 2011. Dieses Fragment schrieb ich wie in Trance, und darum sage ich gern, der Roman sei aus mir ›herausgefallen‹.
Darin beschäftige ich mich mit der Frage, was die Wirklichkeit ist und wie verrückt Menschen tatsächlich sind, die mehr sehen als andere (beispielsweise während einer Nahtoderfahrung). Levi ist hellsichtig und wird deshalb schon als Kind in Psychiatrien eingewiesen.
Stilistisch unterscheidet sich »Levi« sehr von meinen anderen Werken: Da ich selbst keine Antworten auf die in der Geschichte auftauchenden Fragen hatte, begnügte ich mich damit, nur die Fragen aufzuwerfen und sie »monumental« vor mich und den Leser hinzustellen.
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Loki von Schallern: Trilogie und eBook-Serie
(Mystery-Thriller)

Die Loki-Bücher waren mein erster großer, mehrere Bände umfassender Romanzyklus. Darin stehen die übernatürlichen Gaben einiger Charaktere symbolisch für die paranormalen Fähigkeiten, die in allen Menschen potenziell vorhanden sind. In den Romanen müssen die »Begabten« ihre Kräfte verbergen, da die Weltgeschichte einige Beispiele kennt, in denen aus Angst und Neid gegen die »Begabten« vorgegangen wurde, viele wurden sogar ermordet. Loki von Schallern, selbst hochbegabt, gehört zu einer Vereinigung, die dafür sorgt, dass die Identität der »Begabten« geheim bleibt und dass entsprechende Morde aufgedeckt werden, egal wer dahintersteckt, auch global einflussreiche Personen …
Loki war für mich die bisher größte Herausforderung. Es dauerte fast zwei Jahre, bis ich ihn endlich verstand und authentisch erfasste. Erst dann konnte ich mit dem eigentlichen Schreiben der Romane beginnen. Ich musste mich dazu auch in Lokis Wissensgebiete einarbeiten und vor allem mein rationales Denken trainieren, damit ich mit Loki Schritt halten konnte.
Loki von Schallern begleitete mich durch die mitunter schwere Zeit zwischen dem Nahtod- und dem Einweihungserlebnis, und es war erstaunlicherweise gerade sein scheinbar nüchterner Intellekt, der für mich in dieser Zeit von unermesslichem Wert war.
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»EinBlick«
(Mystery-Krimi)

Mit »EinBlick« kämpfte ich ebenfalls, aber auf andere Weise. Im Vordergrund steht die menschliche Wahrnehmung und die Frage, wie viel sie mit der Wirklichkeit zu tun hat: Der Hauptprotagonist Tizian Wolff hat die übernatürliche Fähigkeit, in die Wahrnehmung seiner Mitmenschen »einzudringen«. Er sieht, hört, schmeckt, riecht, denkt usw., was sie sehen, hören, schmecken, riechen, denken. Tizian gehört als Ermittler zu der Vereinigung, der auch Loki von Schallern angehört, er ist sogar sein Untergebener (hier beginnt die Verknüpfung meiner Romane, die zwar in sich abgeschlossen sind, aber seither stets miteinander zu tun haben).
»EinBlick« ist das grausamste meiner Bücher, denn darin kommt eine psychotische Mörderin vor, die vor allem mich das Fürchten gelehrt hat. Es endet zwar gut – es endet mit der bedingungslosen Liebe eines Mannes zu seiner Schwester –, doch als ich den Roman endlich abgeschlossen hatte, stand für mich fest: Wenn nur irgend möglich (und das habe ich leider nicht immer in der Hand), möchte ich keinen solchen Figuren mehr begegnen und mich in sie hineinfühlen müssen. Keine Krimis mehr!
»EinBlick« markierte mehr oder weniger das Ende meiner Auseinandersetzungen mit dem Nahtoderlebnis und der Frage, was die Wirklichkeit ist.
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Die Fourfold-Saga
(Fantasy-Reihe)

Mit Band 1 der Fantasy-Saga begann ich etwa zwei Monate vor meinem »Einweihungserlebnis« von Anfang 2017. Alles begann wie so oft mit dem ersten Satz: »Collem S. Byre machte sich auf die letzte all seiner Reisen.« Hatte ich bei Loki von Schallern und »EinBlick« zu Beginn der Schreibphase in etwa gewusst, was es mit den Protagonisten auf sich hat, war ich hier völlig ahnungslos. Diesmal musste ich mich auch nicht lange mit psychologischen Analysen aufhalten, denn ich wusste von Anfang an: Nun steht die Handlung im Vordergrund, und sie wird sehr wichtig werden.
Der Fourfold-Clan besteht aus vier Brüdern, die gerade durch ihre Verschiedenheit eine Einheit darstellen, vergleichbar mit einem Körper und seinen Gliedmaßen. Sie durchreisen nicht nur die Zeiten, sondern auch die Welten, die sich an der »Weltenachse« drehen. Und sie sind es, die die Welten in ein neues goldenes Zeitalter begleiten sollen. Dabei steht ihnen ein anderer Clan feindlich gegenüber, nämlich der, der das auslaufende Zeitalter beherrschte und diese Macht nicht verlieren möchte.
Dass ich dereinst eine solche Geschichte schreiben werde, war mir schon als Jugendliche bewusst. Undeutlich sah ich immerzu eine Einheit von Menschen vor mir, die eine gewichtige Aufgabe hat, doch sobald ich versuchte, klarer zu sehen und es aufzuschreiben, entzogen sich mir die Bilder. Als ich Ende 2016, nach Abschluss von »EinBlick«, jenen ersten Satz niederschrieb, ahnte ich noch nicht, dass es so weit war – ein paar Seiten später dämmerte es mir, und meine Freude war riesig.
Band 1 bis 3 sind geschrieben und veröffentlicht, und bald folgt Band 4. Das neue goldene Zeitalter lässt noch auf sich warten, aber ich hoffe sehr, es wird sich mir auf den Seiten, die ich noch schreiben darf, bald in voller Blüte präsentieren.
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